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Stare

 

Zur Vogelwelt im Nordwestteil des
Burgenlandkreises
 Teil I

  

Rotmilan

Die strukturierte Landschaft im Unstrut-Triasland, im Nordwestteil des Burgenlandkreises, bietet der Vogelwelt ein vielfältiges Brutgebiet sowie geeignete Bereiche für Durchzügler und Wintergäste. Bisher konnten 192 Arten nachgewiesen werden. 120 regelmäßig und selten im Gebiet brütende Arten sind im Bereich des ehemaligen Kreises Nebra ansässig. Weitere 5 Arten sind leider nur noch als ehemalige Brutvögel zu bezeichnen. Diese Arten, die Zwergrohrdommel (lxobrychus minutus), der Ortolan (Emberiza hortulana), die Nachtschwalbe (Caprimulgus europaeus), der Wiedehopf (Upupa epops) sowie leider nunmehr auch der Steinkauz (Athene noctua), sind im Gebiet nur noch als zum Teil seltene Durchzügler anzutreffen. Bei den verbleibenden 67 Arten handelt es sich um Durchzügler und Wintergäste, welche vorwiegend die fast regelmäßig im Frühjahr überschwemmte Unstrutaue oder die abwechslungsreichen Waldbestände und Offenländer aufsuchen und Arten welche nur einmalig festgestellt wurden. Dazu später etwas ausführlicher …… .

 

Altvogel am Horst

Im Bereich der Unstrutaue, in Flussnähe, hat sich 1992 der Graureiher (Ardea cinerea) mit zwei Brutpaaren angesiedelt.

 

Altvogel am Horst

 

   

Graureiherkolonie

   

Diese Kolonie hat sich bis zum Stand 2011 mit bis zu 28 Brutpaaren stattlich entwickelt. 2010 gab es nicht unerhebliche Verluste durch den Waschbär.

 

Uferschwalbenkolonie

 

   

Uferschwalbenkolonie

   

 

 

 

   

Uferschwalbenkolonie

  ... aus den Bruthöhlen getragene Eischalen

In offengelassenen Sandgruben brütet neben dem Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe), dessen Bestand in den letzten Jahren leider sehr stark rückläufig ist, die Uferschwalbe (Riparia riparia). Diese wurde 1987 erstmals mit etwa 8-10 Brutpaaren in einer Kolonie festgestellt. Bis heute ist der Bestand, verteilt auf zwei Kolonien, auf etwa 300-350 Brutpaare angewachsen.
 

Bienenfresser schaut aus Bruthöhle

(Foto von einem guten Freund und Kenner der Vogelwelt)

Der Bienenfresser (Merops apiaster) brütet in den letzten Jahren sporadisch im Beobachtungsgebiet. Das ist sicher auf die großen Ansiedlungen im Nachbarkreis (Saalekreis), insbesondere am Tagebausee bei Mücheln zurückzuführen.  Übrigens waren 2011 die Hälfte der in Deutschland angesiedelten Brutpaare im südlichen Sachsen-Anhalt bei Merseburg festzustellen (Quelle: Wikipedia).
Auch das Schwarzkehlchen (Saxicola torquata) etabliert sich in den letzten Jahren insbesondere auf Ödländereien, an Wiesengräben in der Unstrutaue und in ehemaligen Abbaubereichen. Beim Braunkehlchen (Saxicola rubetra) verläuft die Entwicklung eher anders herum. Aus der eigentlichen Unstrutaue ist es fast völlig verschwunden. 

   

Braunkehlchen

  Schwarzkehlchen

 

 

junge Braunkehlchen im Nest

Im Jahr 2002, bedingt durch die Winter- und Frühjahrshochwasser der Unstrut, boten sich für Wasservögel günstige Rastbedingungen auf den überschwemmten Grünland- und Ackerflächen. Vorwiegend handelte es sich bei den rastenden Vögeln um Stockenten (Anas platyrhynchos) aber auch um kleinere und größere Trupps von Krickenten (Anas crecca), Knäkenten (Anas querquedula), Schnatterenten (Anas strepera), Pfeifenten (Anas penelope), Spießenten (Anas acuta), Löffelenten (Spatula clypeata), Bergenten (Aythya marila), Reiherenten (Aythya fuligula), Tafelenten (Aythya ferina) und Kormorane (Phalacrocorax carbo). An den Hochwasserrändern, insbesondere in Bereichen mit überschwemmten Äckern, finden sich eine Vielzahl von Limikolen ein, die dort kurzzeitig ein reiches Nahrungsangebot vorfinden.

 

   

junge Stockente

   

 

   

fliegende Kormorane

 

Silberreiher

 

   

Gelege Flußregenpfeifer

   

 

   

junge Flußregenpfeifer

   

Neben einer großen Anzahl von Kiebitzen (Vanellus vanellus), die gemeinsam mit Flußregenpfeifern (Charadrius dubius) bei rückgehendem Hochwasser die noch vernässten Acker und Wiesen als Brutplätze nutzten, rasteten an den Hochwasserrändern der Große Brachvogel (Numenius arquata), die Uferschnepfe (Limosa limosa), der Dunkle Wasserläufer (Tringa erythropus), der Rotschenkel (Tringa totanus), der Grünschenkel (Tringa nebularia), der Waldwasserläufer (Tringa och ropus), der Bruchwasserläufer (Tringa glareola), die Bekassine (Gallinago gallinago), Kampfläufer (Philomachus pugnax) und der Flußuferläufer (Actitis hypoleucos), der oftmals noch bis weit in den Mai hinein an den Unstrutufern zu beobachten ist. Der Kiebitz ist als Brutvogel in den letzten beiden Jahrzehnten  fast völlig verschwunden. Nur noch vereinzelt sind in der Unstrutaue Bruten zu finden.  Durch intensivere Bewirtschaftungsmethoden und durch wasserwirtschaftliche Veränderungen (z.B. Melioration) in den Brutgebieten haben sich die Lebensbedingungen für den Kiebitz drastisch verändert.

   

Kiebitz-Gelege

   

Je eine Feststellung von Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatrola), Austernfischer (Haematopus ostralegus), Alpenstrandläufer (Calidris alpina) sowie Zwergstrandläufer (Calidris minuta) sind für diese Flächen in der Literatur zu finden. Entsprechend den Ergebnissen der früher regelmäßig in den Wintermonaten stattfindenden Wasservogelzählungen im Unstrutgebiet wurden ständig eine größere Anzahl von Zwergtauchern (Podiceps ruficollis) aber auch Einzelexemplare und kleine Trupps von Haubentauchern (Podiceps cristatus), Gänsesägern (Mergus merganser), Schellenten (Bucephala clancula), Eiderenten (Somateria mollissima), Saatgänsen (Anser fabalis) und Graugänsen (Anser anser) als Wintergäste nachgewiesen. Auch die Brandgans (Tadorna tadorna), der Zwergsäger (Mergus albellus), der Singschwan (Cygnus cygnus) und der Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis) wurden im Gebiet als seltene Durchzügler festgestellt. Die Unstrutaue, die insbesondere im vom Ausbau des Flusslaufes bisher verschonten Bereich durch den Wechsel von Grünland, Kopfbaumgruppen, naturnahen Entwässerungsgräben und uferbegleitenden Gehölzen geprägt wird, bietet Brutmöglichkeiten für eine ganze Reihe von Arten.

   

Eisvogel

   

 

Eisvogelbrutplatz in einer Lehmabbauwand (im Wald fernab des Flusslaufes)

Der Eisvogel (Alcedo atthis), der über Jahre im Gebiet fehlte, brütet seit 1989 wieder regelmäßig und hat heute einen wechselnden Bestand von ca. 2-6 Brutpaaren. Sein Fortbestand ist jedoch durch die wieder "neu entdeckte" gewerbliche Personenschifffahrt sowie die stark zunehmende private Nutzung der Unstrut mit Motorbooten gefährdet. Durch die starke Frequentierung und die daraus resultierende Unruhe und Wasserbewegung sowie die bereits erkennbaren Schäden an den Ufern werden seine Lebensbedingungen erheblich beeinträchtigt. Auch der Winter 2010/2011 hat dem Bestand durch lange Frostphasen erheblich zugesetzt.

   

Drosselrohrsänger-Nest

 

Drosselrohrsänger-Gelege

 

   

junge Drosselrohrsänger

 

Teichrohrsänger füttert

Diese Bereiche werden in der Zugzeit auch vorzugsweise vom Schilfrohrsänger (Agrocephalus schoenobaenus) und seltener auch vom Seggenrohrsänger (Agrocephalus paludicola) besucht. Die Weidenbestände entlang der Unstrut, an deren Altarmen und an den offengelassenen Kiesgruben bieten der Beutelmeise (Remiz pendulinus), die im Gebiet mit wechselndem Brutpaarbestand (1-10) vorkommt, Möglichkeiten zum Nestbau.

   

Drosselrohrsänger

 

Beutelmeisennest

Die Wildkrautsäume entlang der Unstrutufer werden von einer großen Anzahl von Sumpfrohrsängern (Acrocephalus palustris) zum Brutgeschäft genutzt. Sumpf- und Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) sind im Beobachtungsgebiet die Hauptwirtsvögel des Kuckucks (Cuculus canorus). In 3114, in den Jahren von 1983-2011, kontrollierten Sumpf- und Teichrohrsängernestern wurden 187 Kuckuckseier und 50 Jungkuckucke festgestellt. Im selben Zeitraum wurden nur 9 Eier oder Junge des Kuckucks in Nestern anderer möglicher Wirtsvögel gefunden (1 x Dorngrasmücke (in 46 Nestern), 2 x Rotrückenwürger (in 1585 Nestern), 5 x Gartengrasmücke (in 154 Nestern), 1 x Rohrammer (in 69 Nestern)).

(Siehe auch Extraseite KUCKUCK!!!)
 

Jungkuckuck

 

   

Feldschwirl-Gelege

 

Gebirgsbachstelzen-Gelege

 

   

Schafstelze

 

Bachstelze

Weiter bietet die Flussaue in den weniger intensiv genutzten Grünlandbereichen Brutmöglichkeiten für Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Rohrammer (Emberiza schoeniclus), Schafstelze (Motacilla flava flava), Feldschwirl (Locustella naeria) und neuerdings auch häufiger für den Schlagschwirl (Locustella fluviatilis). Die Wiesenralle (Crex crex) wurde in den letzten Jahren wieder öfter und mit einer Anzahl von 4-5 rufenden Männchen im Bereich der im Rahmen des Vertragsnaturschutzes bewirtschafteten Flächen in der Unstrutaue festgestellt (verhört). Die früher häufigere Teichralle (Gallinula chloropus) kommt im nordwestlichen Burgenlandkreis nur noch selten vor. 2-3 Brutpaare an Kleingewässern und im Bereich von Entwässerungsgräben stellen den verbliebenen Rest dar. Die Ursachen für den Rückgang sind für mich nicht nachvollziehbar. Die Bleßralle (Fulica atra), welche ich aus den achtziger und neunziger Jahren als häufigen Brutvogel nur nach Hochwasserereignissen kannte, ist mittlerweile Brutvogel an allen geeigneten Kleingewässern.

   

Bleßrallen

 

Bleßrallen-Gelege

 

   

Teichrallen-Gelege

 

... hier mit frischgeschlüpften Jungvogel

Der Weißstorch (Ciconia ciconia), dessen Lebensraum durch Unstrutausbau, Meliorationsmaßnahmen in der Aue und anschließende Umwandlung von Grünlandflächen in Ackerland stark eingeengt wurde, kommt im nordwestlichen Burgenlandkreis zurzeit mit 2-3 Brutpaaren (regelmäßig in Memleben und Reinsdorf) vor.
 

Weißstorch in der Unstrutaue

Auch die großflächigen Trockenbereiche an den Hängen zur Unstrut und den daran anschließenden Plateauflächen, die durch den Wechsel von Trocken- und Halbtrockenrasen, Gebüschen, Streuobstbeständen und Trockenwäldchen geprägt sind, weisen eine artenreiche Avifauna auf.
 

   

Sperbergrasmücke

 

Sperbergrasmücken-Gelege

 

   

Turteltauben-Gelege

 

junge Turteltauben

 

junge Turteltaube

In diesen Lebensräumen kommen unter anderem Arten wie Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), die Dorngrasmücke (Sylvia communis), die Zaungrasmücke (Sylvia curruca), der Wendehals (Jynx torquilla), der Grünspecht (Picus viridis), auch hier Feldschwirl (Locustella naeria) und das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) sowie der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), vereinzelt die Heidelerche (Lullula arborea), immer noch im Rückgang begriffen die Goldammer (Emberiza citrinella), häufiger der Fitislaubsänger (Phylloscopus trochilus) und die Turteltaube (Streptopelia turtur) und mit erfreulicher Bestandszunahme in den letzten Jahren natürlich der Rotrückenwürger (Lanius collurio) vor.
 

Wendehals - frisch gebadet

 

   

frisch geschlüpfte Wendehälse

 

 

   

junge Wendehälse in Holzbetonnistkasten

 

eben flügger Wendehals

Eine sehr wildkrautreiche Ödlandfläche bei Karsdorf beherbergt bereits seit vielen Jahren ein stabiles Grauammervorkommen, welches einen Umfang von 6-10 Brutpaaren aufweist. Die Grauammer (Emberiza calandra) hat sich nach Auffassung der hier tätigen Ornithologen von dort immer wieder fast sternförmig in umliegende ähnlich geeignete Gebiete ausgebreitet. Die Anfangs meist jedoch nach 1-2 Jahren wieder verwaisten Gebiete, weisen aufgrund des allgemeinen Positivtrends bei dieser Art offensichtlich wieder stabile Bestände auf.

   

Grauammern-Gelege

 

junge Grauammern

In den Ortschaften kommen neben Mehlschwalbe (Delichon urbica), Rauchschwalbe (Hirundo rustica), Mauersegler (Apus apus), Türkentaube (Streptopelia decaocto), Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), Gartengrasmücke (Sylvia borin), Bachstelze (Motacilla alba alba), Stieglitz (Carduelis carduelis), Girlitz (Serinus serinus) und natürlich dem Haussperling (Passer domesticus domesticus) auch die Schleiereule (Tyto alba) vor. Die ehemals häufige Haubenlerche (Galerida cristata) ist zwischenzeitlich fast vollständig aus den Ortschaften und Industriegebieten verschwunden.

   

Mauersegler

  zwei Mauerseglerpfleglinge 

 

eben flügge Klappergrasmücke

Die Dohle (Corvus monedula) ist aus allen Ortschaften, in denen sie heimisch war, verschwunden. In Bad Bibra erlosch der Bestand von 12-15 Brutpaaren 1986 nach der Sanierung des Kirchendaches. Eine Brutkolonie im Bereich der Neuenburg und im Stadtgebiet Freyburg (Marienkirche) ist leider vor wenigen Jahren auch aufgegeben worden.Vor wenigen Jahren siedelte sich zu meiner großen Freude eine kleine Kolonie in Memleben (Kirche) an, welche sicher einen Ableger der starken Kolonie in Wiehe darstellt. Nur wenige Kilometer flussabwärts  wurden bei der artenschutzgerechten Sanierung des Wasserturmes in Nebra reichlich Nistmöglichkeiten für die Dohle vorgesehen. Vielleicht klappt es ja dort mit einer weiteren Ansiedlung.

   

junge Schleiereule

 

junge Schleiereulen in Artenschutzsturm

Die Schleiereule wurde durch die verwilderte Haustaube von vielen ihrer Brutplätze verdrängt. Ein 1993 gestartetes Hilfsprogramm für diese Art, das Anbringen von Schleiereulen-Nistkästen, die für die Tauben unattraktiv sind, flächendeckend in geeigneten Gebäuden, sollte dem Brutplatzmangel Abhilfe schaffen. Leider gab es durch den Winter 2010/2011 wieder erhebliche die Bestandeseinbußen.
 

   

junge Waldohreule

 

Waldohreulenschlafplatz (in Hohenmölsen)

 

       

Waldohreule - gut getarnt!

     

Waldohreulen-Gelege in Krähennest

 

   

Waldohreulen-Gelege in Krähennest

 

Junge Waldohreulen - Man beachte den Größenunterschied!

 

junge Waldohreule

   

Waldkauz

 

junger Waldkauz

Die Eulen sind, neben der bereits erwähnten Schleiereule, durch den Waldkauz (Strix aluco), der in allen größeren Waldgebieten aber auch in Ortschaften und in Parks vorkommt, die Waldohreule (Asio otus), den Steinkauz (Athene noctua), für den Brutnachweise in den Kopfbaumbeständen der Aue nur bis 1985 vorliegen, und den Uhu (Bubo bubo) vertreten.

   

Junguhu

 

Uhubrutplatz

 

Junguhu

Die noch in meiner Kindheit und frühen Jugend in der Region vorgefundenen Waldohreulen- Winterschlafplätze, mit bis zu hundert und mehr Exemplaren, gehören aufgrund des Rückgangs der Art leider der Vergangenheit an.  
Der Uhu brütet nachweislich seit 1992 im Gebiet. Es ist anzunehmen, dass sich diese Art auf Grund des sich verstärkenden Populationsdruckes im Süden in nördlicher Richtung weiter in unser Gebiet ausbreitet. Zum heutigen Zeitpunkt sind bereits 4-5 Brutpaare nachgewiesen. Die Sumpfohreule (Asio flammens) ist während der Zugzeit ein seltener Gast im Unstrut-Triasland.

 

 Weiter geht es mit der Avifauna im nordwestlichen Burgenlandkreis  auf:

Vogelwelt im BLK II

 


 

"Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand"  | Charles Darwin

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