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Der KUCKUCK (Cuculus canorus)

 

Jungkuckuck in Sumpfrohrsängernest

Die Kuckucksweibchen haben sich auf die Wirtsvogelarten spezialisiert von der sie selbst erbrütet und großgezogen wurden. Die Eier sind in Ihrer Variabilität hervorragend, da an die Wirtsvogeleier angepaßt. Um ihre Eier zur rechten Zeit unterzubringen, kontrollieren die Kuckucksweibchen regelmäßig, wie weit der Nestbau der Wirtsvogelart vorangeschritten ist. Ein bekanntes Nest wird immer wieder besucht. Der Wirtsvogel darf zum Zeitpunkt der Ablage des „Fremd-Ei´s“ selbst noch nicht mit dem Bebrüten des Geleges begonnen haben. Das ist aus folgendem Grund sehr wichtig. Die Brutdauer für Kuckuckseier beträgt 12 Tage und ist damit geringer als die seiner Wirtsarten. Diese kurze Bebrütungszeit ergibt sich daraus, dass die Embryonalentwicklung bereits vor der Eiablage im Körper des Weibchens beginnt. Die Entwicklungsdauer der Eier der betroffenen Singvögel beträgt in der Regel 13-14 Tage. Dadurch wird gewährleistet, dass der Kuckuck als erster im Wirtsvogelnest schlüpft.

 

   

Kuckucks-Ei in Sumpfrogrsängernest

  Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

Bereits wenige Stunden nach dem Schlupf wird der noch blinde und nackte Jungkuckuck von einer Unruhe befallen und aktiv. Innerhalb der nächsten Tage (4-5) wirft der junge Kuckuck alles aus dem Nest, was sich mit ihm darin befindet. Ob Eier oder Jungvögel, alles wird mit den kleinen Flügelstummeln mit ruckartigen Stoßbewegungen über den Nestrand befördert. Damit steht der Entwicklung des Nestlings, die etwa 20-23 Tage dauert nichts mehr entgegen, da die Wirtseltern nun nur den entsprechend seiner Größe hohen Nahrungsbedarf des Jungkuckucks decken müssen. Obwohl der Kuckuck kein Singvogel ist, ist das Kuckucksjunge mit einem orangeroten Sperrrachen, wie für Singvögel typisch, ausgestattet, der den Fütterungstrieb der Stiefeltern stark anregt. Der Jungkuckuck sitzt sehr ruhig im Nest seiner Stiefeltern, da dieses in Größe und Stabilität den Anforderungen kaum gewachsen ist. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass mit Kuckucken belegte Sumpf- und Teichrohrsängernester, welche meist an Brennnesseln und Schilfhalmen befestigt sind, oft bis kurz über den Erdboden bzw. den Wasserspiegel abgerutscht sind. Dies führt häufig zu Verlusten durch auf Nahrungssuche befindlichen Säugern usw.. Die Nahrung der Kuckucke besteht aus Insekten, insbesondere Spinnen, großen Käfern, Libellen und Heuschrecken. Häufig frißt er auch große Raupen, oft auch behaarte Arten, die von anderen Tieren verschmäht werden. Die Brennhaare bleiben in seiner Magenschleimhaut ohne Schaden stecken.
Als ausgesprochene Insektenfresser verlassen uns die Kuckucke im Juli/August und kehren erst im April aus dem tropischen Afrika zurück.

 

 

   

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

ZAUMSEIL führt im Atlas der Brutvögel Sachsen-Anhalts (1997) Folgendes über den Kuckuck aus:

"Der Kuckuck ist im Land Sachsen-Anhalt zwar vieler­orts spärlich, aber doch landesweit verbreitet. Seit etwa 1970, verstärkt seit 1989, fiel eine Abnahme der Art auf. Die Ankunft der Männchen erfolgt An­fang Mai, in manchen Jahren schon Ende April. Kuckucke bevorzugen die halboffene Landschaft, sie meiden das Innere ausgedehnter dichter Waldgebiete und wenig strukturierte Agrarflächen. Lokale Verdichtungen wurden in der Nähe von verschilften Gewässern festgestellt. In der gleichmäßig besiedelten Dübe­ner Heide wird der Bestand auf durchschnittlich 4 Rufer auf 10 km2 geschätzt (Gnielka). Als Wirtsel­tern wurden in den letzten Jahrzehnten im bearbei­teten Gebiet Rohrsänger, Neuntöter, Rotkehlchen, Gartenrotschwanz und alle 3 Stelzenarten gefun­den. Die Rufaktivität der alten Männchen klingt im Juli schnell ab. Wahrscheinlich erfolgt die Abwande­rung vieler Kuckucke bereits im Juli. Meist wurden nur die rufenden Männchen gezählt. Die Kuckucke sind agil, und die Rufe sind auffällig und weit zu hören. Dadurch bedingte Doppelzählungen und Überschätzungen wurden bei der Häufigkeitsein­stufung rigoros eliminiert. Die "kichernden" Weib­chen sind viel seltener als die Männchen. Soweit Zahlen vorliegen, wurde ein Verhältnis von etwa 5:2 gefunden. Heftige Reaktionen von Weibchen auf Klangattrappe des Weibchenrufes zeigen das Revierverhalten auch der Weibchen."

 

 

   

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

Natürlich treffen die gemachten Ausführungen auch für den von mir "bearbeiteten" Bereich des nordwestlichen Burgenlandkreises zu. Neben den oben erwähnten Wirtsarten wurden meinerseits auch Kuckucks-Nachweise (Eier, Jungvögel) bei Dorngrasmücke, Gartengrasmücke und Rohrammer festgestellt. Für den untersuchten Bereich schätze ich den Brutbestand auf ca. 10-12 Brutpaare. Bei der Einschätzung der Brutpaarzahl ist jedoch, wie bereits oben erwähnt (Zaumseil, 1997), Vorsicht geboten.

 

 

   

Kuckucks-Ei in Teichrohrsängernest

 

Kuckucks-Ei in Teichrohrsängernest

Aufgrund der interessanten Lebensweise des Kuckucks habe ich mich, verstärkt seit Mitte der 90er Jahre mit der Kontrolle von Nestern möglicher Wirtsarten, im Untersuchungsgebiet, insbesondere Sumpf- und Teichrohrsänger, beschäftigt.

Die Ergebnisse sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.

Art/Nr

Sumpf-

rohrsänger

Teichrohr-

sänger

Neuntöter

Garten-

grasmücke

Dorn-

grasmücke

Rohr-

ammer

Kuckuck gesamt

1984

18/2/0

0/0/0

1/0/0

0/0/0

1/0/0

0/0/0

2

1985

9/0/0

2/0/0

1/0/0

0/0/0

2/0/0

0/0/0

0

1987

5/0/0

0/0/0

1/0/0

0/0/0

0/0/0

0/0/0

0

1988

35/7/1

16/0/0

8/0/0

6/1/0

3/0/0

1/0/0

9

1989

2/0/0

4/0/0

15/1/0

8/0/0

2/0/0

0/0/0

1

1990

13/4/0

9/0/0

16/1/0

6/0/0

3/0/0

0/0/0

5

1991

28/2/1

5/0/0

10/0/0

6/0/0

3/0/0

4/0/0

3

1992

36/5/0

10/1/1

19/0/0

8/0/0

4/0/0

1/0/0

7

1993

46/1/4

10/0/0

45/0/0

6/0/0

3/0/0

2/0/0

5

1994

57/6/2

25/1/0

56/0/0

8/0/0

2/0/0

2/0/0

9

1995

64/9/1

37/0/0

33/0/0

2/0/0

2/0/0

1/0/0

10

1996

89/10/0

18/1/0

69/0/0

4/0/0

2/0/0

4/0/0

11

1997

99/6/5

22/3/0

47/0/0

4/0/0

0/0/0

2/1/0

15

1998

95/5/3

41/5/0

95/0/0

7/1/0

2/0/0

5/0/0

14

1999

112/8/1

47/0/0

123/0/0

8/0/0

2/0/0

3/0/0

9

2000

77/4/0

55/2/1

132/0/0

11/0/0

4/0/0

1/0/0

7

2001

120/2/2

43/2/0

132/0/0

12/0/0

3/0/0

3/0/0

6

2002

162/11/1

71/1/0

132/0/0

12/0/0

2/1/0

6/0/0

14

2003

106/10/2

35/1/0

129/0/0

5/0/0

2/0/0

1/0/0

13

2004

83/3/1

56/2/0

33/0/0

7/0/0

2/0/0

5/0/0

6

2005

146/12/2

83/1/1

45/0/0

6/0/0

0/0/0

5/0/0

16

2006

155/12/3

60/1/0

76/0/0

4/0/0

0/0/0

8/0/0

16

2007

114/5/4

65/1/1

55/0/0

0/0/0

1/0/0

6/0/0

11

2008

 106/11/2

 76/1/0

 79/0/0

 6/0/0

 0/0/0

 4/0/0

 14

2009

 101/7/3

82/1/1

 97/0/0

 6/1/1

 0/0/0

 1/0/0

 14

2010

 86/7/6

112/0/0

 55/0/0

 6/0/0

 0/0/0

 3/0/0

 13

2011

59/7/0

107/7/1

81/0/0

6/1/0

1/0/0

1/0/0

16

gesamt

2023/156/44

1091/31/6

1585/2/0

154/4/1

46/1/0

69/1/0

 246


Bruten Art / Kuckucks-Eier / Kuckuck Jungvögel

 

 

 Jungkuckuck in Rohrsängernest

 

Noch ein paare Worte zu interessanten Auffälligkeiten:

1994 und 2002 fand ich jeweils 2 Kuckucks-Eier in einem Sumpfrohrsänger-Nest. 2003 war ein Nest sogar mit 3 Kuckucks-Eiern belegt. Aufgrund der Ähnlichkeit in Farbe und Zeichnung gehe ich davon aus, dass diese von demselben Kuckucks-Weibchen stammten. In zwei Fällen war festzustellen, dass eines der beiden Eier bzw. 3 Kuckucks-Eiern, wahrscheinlich das jeweils Älteste, am Nestboden leicht eingebaut war und die Rohrsänger-Eier und das zweite bzw. dritte Kuckucks-Ei darüber lagen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass einige mit Kuckuckseiern aufgefundene Rohrsängernester verlassen waren und diese ohne oder mit nur 1 bis 2 Wirtseiern belegt waren. Dies lässt darauf schließen, dass die Rohrsänger den Austausch der Wirtseier im Anfangsstadium der Brut (1-2 Eier) häufiger wahrnehmen und aufgrund der noch geringen Bindung an die Brut dieselbe verlassen.

 

   

frisch geschlüpfter Kuckuck in Sumpfrohrsängernest

 

frisch geschlüpfter Kuckuck in Sumpfrohrsängernest

Trotz vieler wissenschaftlicher Untersuchungen und entsprechender Ergebnisse stellt der Kuckuck für mich nach wie vor etwas ganz Besonderes dar. Deshalb werde ich, soweit es meine Zeit erlaubt, dem Kuckuck und seinen Wirten auch weiter auf der Spur sein.

 

       

Kuckucks-Ei in Sumfrohrsängernest

 


 


 

       

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 


 


 

       

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 


 


 

       

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 


 


 

       

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 


 


 

       

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 


 


 

       

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 


 


 

       

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 


 


 

       

Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest

 


 


 

       
Kuckucks-Ei in Sumpfrohrsängernest  


 


 

       

 Kuckucks-Ei in Teichrohrsängernest

 


 


 

       

 Kuckucks-Ei in Teichrohrsängernest

 


 


 

       

 Kuckucks-Ei in Teichrohrsängernest

 


 


 

       

Jungkuckuck in Rohrsängernest

 


 


 

       

Jungkuckuck in Rohrsängernest

 


 


 

       

 Jungkuckuck in Rohrsängernest

 


 


 

       

 Jungkuckuck in Rohrsängernest

 


 


 

   

   

 Jungkuckuck in Rohrsängernest

 


 


 

 

 

 

 

 

"Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand"  | Charles Darwin

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