Vogel des Jahres 2012
Die Dohle
(Corvus monedula)
Dohlen gelten als intelligente und anpassungsfähige Vögel, doch gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen sind auch sie machtlos. Die Dohle als ehemaliger Steppenbewohner hatte sich als Kulturfolger mit den Gegebenheiten in den menschlichen Siedlungen arrangiert. Doch die tiefgreifenden Veränderungen in der Landwirtschaft, insbesondere in Hinsicht auf die Fruchtarten (großflächiger Anbau von Energiepflanzen wie Mais und Raps mit Hilfe von Pestiziden), die wesentliche Verringerung des Grünlandanteiles, aber auch durch den mit der nicht artenschutzgerechten Sanierung der großen Gebäude in den Städten und Dörfern (Verschluss der Mauerlöcher und –nischen, Abwehrgitter gegen Tauben an Kirchtürmen) einhergehenden Verlust von Nistmöglichkeiten, haben den Dohlenbestand schrumpfen lassen.
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Corvus monedula - Dohle
Pica pica - Elster aus: NAUMANN, NATURGESCHICHTE DER VÖGEL
MITTELEUROPAS: Band IV, Tafel 10 - Gera, 1901 |
Im nordwestlichen Burgenlandkreis gab es nach meiner Kenntnis nie tatsächlich große Dohlenbestände. Eine Brutkolonie in Bad Bibra wurde schon in DDR-Zeiten durch die Sanierung der Kirche und der dabei erfolgten Beseitigung aller Brutmöglichkeiten vernichtet. Einzelbruten wie in der Kirche von Lossa waren eher die Seltenheit. Neuere Ansiedlungen, wie über Jahre im „Dicken Wilhelm“ und der Marienkirche in Freyburg, wurden ohne offensichtliche Gründe (eventuell Nahrungsmangel) zwischenzeitlich aufgegeben. Hoffnung macht die Ansiedlung einer kleinen Kolonie in Memleben (Kirche), welche sicher einen Ableger der starken Kolonie in Wiehe (Thüringen) darstellt. Nur wenige Kilometer flussabwärts wurden bei der artenschutzgerechten Sanierung des Wasserturms in Nebra reichlich Nistmöglichkeiten für die Dohle vorgesehen. Vielleicht klappt es ja dort mit einer weiteren Ansiedlung.
Baumbrüter wie in noch in anderen Bundesländern (z. B. in Thüringen noch rund 17 % und in Hessen rund 58 % des Bestandes) sind mir im Burgenlandkreis nicht bekannt. Wie auch! Die Dohlen brauchen als Koloniebrüter alte Rotbuchenbestände (ab 100 bis 170 Jahre alt) mit entsprechendem reichlichen Höhlenangebot (Schwarzspecht). Wo sollen sie diese bei uns noch finden. Ich kenne mittlerweile keinen halbwegs geeigneten Bestand mehr. Schon die Hohltaube, welcher auch einzelne Schwarzspechthöhlen zur Brut ausreichen, leidet dank unserer modernen und nachhaltigen Forstwirtschaft unter „Wohnungsnot“.
„Des Pastors schwarze Tauben“ wie die Dohlen aufgrund ihrer Vorliebe für Kirchen und andere hohe Gebäude oft im Volksmund genannt wurden, stehen in Sachsen-Anhalt in der Kategorie 3 auf der Roten Liste und sind damit als gefährdet eingestuft. Es ist zu hoffen, dass die Wahl der Dohle zum Vogel des Jahres 2012, welcher wie den anderen größeren Arten(Raben- und Saatkrähe, Kolkrabe) immer noch der Ruf eines Unglücksboten und Pechvogels nachhängt, zu einem Imagezuwachs verhilft.
Die Dohle ist aber durch ihren Schutz nicht sicher, wie man auf folgendem Bild sieht:
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Vor einem Fehlabschuss eines Unwissenden ist auch die Dohle nicht geschützt!
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Die Dohle auf Wikipedia